Es ist das immer Gleiche und doch wieder jedes Jahr, jeden Monat, jede Woche anders. Man weiß ungefähr, was einen erwartet, sehr oft bedauert man, dass wieder eine Woche vorbei ist, weil dann gerade dieses Bild, dieser Spruch und jenes Gedicht, das man mittlerweile lieb gewonnen hat, weg und vorbei und verschwunden ist. Oft folgt aber dann doch wieder eine positive Überraschung. Die Themen sind ja vielfältig wie jedes Jahr: Literatur, Musik, Reisen, Garten, Lyrik (auch für Kinder) und das Meer.
Mit dem Meer soll begonnen werden. Der „mare-Kulturkalender“ bietet – jeweils für eine Woche – eine ganz besonders abgestimmte Mischung aus Bild, Text und Information. Die Bilder, gemalt, gezeichnet oder fotografiert, sind die Eyecatcher, dazu kommt dann jeweils ein Text, der einen Meeresbezug hat – von Rachel Carson bis Gertrud Kolmar, von Alfred Polgar bis Mark Twain. Außerdem jeweils ein Hinweis auf ein historisches Meer-Ereignis, das genau in jener Woche stattgefunden hat. So etwa in der dritten Juliwoche der Vermerk, dass am 20. Juli 1796 im englischen Margate das erste „Seehospital“ eröffnet wurde, bei dem vor allem auf die gesundheitsfördernde Wirkung des Meeresreizklimas gesetzt wurde.
Nun zieht mit dem „Literarischen Gartenkalender“ aus dem Schöffling Verlag Ruhe und Glück ein. Die Fotos stammen von Marion Nickig, herausgegeben hat den Kalender Julia Bachstein. Bei den Bildern ist es so, dass man – selbst amateurhaft fotografierend – sich Anregungen holen oder versinken kann. Dieses Versinken verstärken oder begleiten manche Texte, andere wieder holen einen ironisch in die Wirklichkeit zurück.
Der Kalender „Fliegende Wörter“ aus dem Daedalus Verlag ist ein Stammgast an dieser Stelle. „53 Qualitätsgedichte zum Verschreiben und Verbleiben für Zeitreisende, Sprachspieler, Kenner und Genießer“ werden von den Schriftstellerinnen Alida Bremer und Ulla Hahn und der Romanistin Andrea Grewe herausgegeben und von Marion Caillard und Barbara Mekus grafisch faszinierend in Szene gesetzt. Zum oben angeschriebenen Bedauern des Vorbei und Verschwindens ist hier anzumerken, dass diese 53 Wochen-Gedichte als Karten herausgelöst, aufgehoben oder verschickt werden können. Und sie sind es wert, weil dieses ganz einmalige Gefühl, das einen beim Lesen von Lyrik überkommt, muss einfach entweder gesammelt oder weitergegeben werden.
„Von der Ouvertüre zum Finale“ ist der für einen Kalender haargenau passende Titel des Musik-Kalenders aus der edition momente. Gestaltet wie immer von einem Team rund um Elisabeth Raabe, Regina Vitali und Max Bartholl. Da wird vom sensationellen Start so mancher Karriere genauso berichtet wie davon, wenn diese abrupt zu Ende gehen kann. 53 Musiker*innen erinnern sich daran und an ihre musikalischen Erlebnisse. Zumeist sind es Stars aus der Vergangenheit, die mit kurzen, treffenden Aussagen zitiert werden, so etwa Alma Rosé bis Luigi Cherubini, von Georgette Leblanc bis Pablo Casals. Diese mit Porträts illustrierten Erinnerungen werden von Kurzbiografien und einem internationalen Kalendarium begleitet.
Wenn ein Zebra kein Zebra mehr ist, wenn Vögel den Regen verschwinden lassen können und das Rentier wieder eine rote Nase bekommt, dann kann es sich nur um den „Kinder Kalender“ handeln. Den gibt nun schon zum zwölften Mal die Internationale Jugendbibliothek heraus. Es hat sich bewährt, in jeder Woche Kinderlyrik in der Originalsprache, mit der originalen Illustration und in deutscher Übersetzung, zu zeigen. Aus 34 Ländern kommen diese Gedichte und sind für jedes Alter geeignet, vor allem die Illustrationen sind derart, dass man sich wünscht, sie wieder mit kindlichen Augen betrachten zu können.
Zum Abschluss drei Kalenderbücher: Luise F. Pusch porträtiert seit 1987 berühmte Frauen, bei Reclam gibt sie nun zum fünften Mal den Kalender heraus. „Titelheldin“ der zwölf berühmten Frauen ist 2023 Amanda Gorman, jene Frau, die der ganzen Welt an einem eiskalten Januartag mit ihrem Auftritt bei der Inauguration Joe Bidens bewiesen hat, was Lyrik kann. Den Reigen der 12 Prominenten beschließt Maria Callas. Im Wochenkalendarium findet man noch einen Überblick zu Geburts- und Todesdaten weiterer Jubilarinnen, von der italienischen Schauspielerin Valentina Cortese bis zu amerikanischen Sängerin Donna Summer.
Matthias Reiner wählt für die Kalender der Insel-Bücherei alljährlich die Bilder und Texte aus. Das Motto für 2023 lautet „Jeder Tag ist ein kleines Leben“ und ist ein Zitat von Arthur Schopenhauer. Reiner weiß genau, womit er einen das ganze Jahr hindurch am Lesen und am Schauen hält – nämlich mit kleinen Geschichten, Gedichten, Rezepten und Aphorismen – passend zu den Jahreszeiten. Außerdem gibt es in diesem Kalender-Klassiker wie immer viel Platz für eigene Notizen.

Kalender für Bücherfreunde betitelt sich das Büchlein aus dem Faber & Faber Verlag. Carsten Pfeiffer trug einschlägige Texte zusammen und vermerkt Geburts- und Todesdaten von Autor*innen im Kalendarium. Dazu gibt’s Platz für Notizen zu gelesenen Büchern, Bücherwünschen und – ganz wichtig – Raum für Vermerke von wem man denn Bücher ausgeliehen hat und an wen verliehen.
mare Kulturkalender 2023, herausgegeben von Nikolaus Gelpke, mareverlag, Hamburg.
Fliegende Wörter 2023, herausgegeben von Alida Bremer, Andrea Grewe und Ulla Hahn, Daedalus Verlag, Münster.
Der Musik Kalender 2023, edition momente, Zürich-Hamburg.
Der literarische Gartenkalender 2023, herausgegeben von Julia Bachstein, Schöffling Verlag, Frankfurt am Main.
Der Kinder Kalender 2023, herausgegeben und ausgewählt von der Internationalen Jugendbibliothek München, Moritz Verlag, Frankfurt am Main.
Berühmte Frauen Kalender 2023, herausgegeben von Luise F. Pusch, Reclam Verlag, Ditzingen.
„Jeder Tag ist ein kleines Leben“ Kalender für 2023, herausgegeben von Matthias Reiner, Insel Verlag, Berlin.
Kalender für Bücherfreunde 2023 herausgegeben von Carsten Pfeiffer, Faber & Faber, Leipzig.


